© 2019 by beate kupka

DIFFUSE BEZIEHUNGEN

Beziehungen zwischen Menschen entstehen und vergehen. Wir glauben an ihren Bestand, trotzdem sind sie flüchtig. Menschen wünschen sich Nähe und doch brauchen wir die Abgrenzung. Wir vertrauen auf tiefe Verbundenheit und finden allzu oft nur die Oberfläche. Beziehungen, in die sich Menschen begeben, sind oft unerklärlich und werden von einer eigentümlichen diffusen Stimmung begleitet, die in zwei Fotoserien künstlerisch in Szene gesetzt wurde.

 

Die Fotoserie „Auf der Fähre“ entstand im Winter während einer Überfahrt nach Oslo. Die Serie „Shopping“ spielt an einem Sommertag in der belebten Innenstadt von Frankfurt. Die Fotoinszenierungen zeigen zwei Gruppen von Menschen: die eine befindet sich zusammen mit anderen Passagieren auf einem Schiff, die andere hält sich im öffentlichen Raum auf. Als Betrachter spüren wir, dass der Einzelne in einer Beziehung steht, sich anderen Menschen verbunden fühlt und sich als Teil einer gemeinsamen Umwelt begreift. Dennoch stellt sich Unbehagen ein, je länger man in die Bilder hineinsieht. Denn die Menschen, die in einem sozialen Kontext zu stehen scheinen, können sich aus Gründen, die wir nicht kennen, nicht nahekommen. Und es kommen in uns Zweifel hoch, dass die Menschen, die scheinbar ihre Umwelt als sicheren Ort empfinden, eine Distanz zu ihr aufbauen.

 

Scheinbar ohne Grund lösen sich die Konturen der Wirklichkeit auf, von der wir Bilder gespeichert haben. Rätselhaft und unerklärlich hat sich die Welt verändert, die wir Wirklichkeit nennen und nur noch schemenhaft wahrnehmen können. Menschen, die sich verbunden fühlen, bleiben wie in Watte gepackt auf Distanz. Der räumliche und soziale Kontext ist nicht mehr scharf begrenzt, sondern dringt nur noch als beklemmend diffuse Stimmung zu uns. Isolation und Einsamkeit lassen sich ahnen.

beate kupka

Auf der Fähre

beate kupka

Shopping